Heute möchte ich meine persönliche Geschichte der Corona-Pandemie, meiner Covid-Infektion Ende 2021 und meiner Erfahrung mit Long-Covid 2022/23 erzählen.
Immer wieder werde ich nach meiner Story gefragt, so dass ich mir inzwischen vorkomme, als würde meine Schallplatte einen Sprung haben. Dennoch ist es mir wichtig, transparent mit dem Thema umzugehen und alle Fragen offen beantworten.
Wenn Du vielleicht betroffen bist, hoffe ich, Dir am Ende des Blog-Posts ein paar Tipps im Umgang mit Long-Covid mit an die Hand zu geben.
Meine Story:
Heute vor zwei Jahren wollte ich meinen 40. Geburtstag groß feiern. Gerade hatte ich mich von meiner der anspruchsvollen Aufgabe als Veranstaltungsleiterin für das 800. Rostocker Stadtjubiläum erholt und als Kulturkoordinatorin im Rostocker Rathaus auf der neuen Stelle mit vielen Visionen für die Zukunft eingelebt als alles anders kam…
Die Corona-Pandemie ist ausgebrochen und ich habe im März 2021 die organisatorische Leitung im Rostocker Impfzentrum übernehmen und meine eigentlichen Aufgaben als Kulturkoordinatorin pausieren müssen. Die große Party, die am 15. April 2021 geplant war, musste zwangsläufig ausfallen. Dafür habe ich viele großartige neue Menschen durch die gemeinsame Mission Impfzentrum kennen- und schätzen gelernt und meinen ganzen Fokus auf die Arbeit gerichtet. Diese Zeit möchte ich nicht missen, da sie eine wertvolle Erfahrung für mich war. Aber darum soll es heute nicht gehen. Ich hatte mir diese Phase in meinem Leben (der Übergang in meine 40er J) einfach anders vorgestellt.
Im November 2021 habe ich mich selbst mit Covid infiziert und was dann folgte, war eine sehr lange Phase des Krank-Seins. Nach acht Wochen Akutinfektion bin ich im Januar 2022 wieder zur Arbeit ins Kulturamt gegangen, um aber feststellen zu müssen, dass nichts mehr funktioniert wie früher.
Berichten zufolge gibt es um die 200 Long-Covid-Symptome. Das sind/waren meine:
- Akute Müdigkeit (Außer Schlafen geht nichts mehr.)
- Körperliche Schwäche (nach Spaziergang völlig erschöpft)
- Probleme mit geteilter Aufmerksamkeit (Räume mit mehreren Menschen sind unerträglich.)
- Koordinative Defizite (Wie drehe ich noch mal eine Schraube fest?)
- Langsameres Denken (das fühlt sich an, als müssten sich die Synapsen erst mal wieder neu verknüpfen)
- Wortfindungsstörungen
- Verlust der Schlagfertigkeit
- Zweifel an der eigenen Wahrnehmung (Bilde ich mir das alles nur ein?)
- Angst, das Leben, wie man es kannte, nicht mehr bewältigen zu können.
Was ich in den letzten beiden Jahren gelernt habe?
Schicksalsschläge sind dafür da, dass wir uns weiterentwickeln!
Wenn wir das so betrachten können, können wir zuversichtlich in die Zukunft blicken. Ich zum Beispiel hätte nie gedacht, dass ich einmal gesundheitlich beraten würde. Heute freue ich mich, dass ich anderen Menschen mit meiner Erfahrung weiterhelfen kann. Immer wieder werde ich gefragt, was mir beim Umgang mit Long-Covid hilft.
Das sind meine besten Tipps, die ich noch immer (!) täglich befolge:
- Schlaf, Schlaf und noch mehr Schlaf (Es waren einst täglich 16 Stunden, inzwischen sind es „nur noch“ 10.)
- Selbstgemachtes frisches Essen mit viel Gemüse und Proteinen, kein Kaffee, kein Alkohol, kein Zucker (…, auch wenn das gerade schwerfällt, wenn man sich schlecht fühlt.)
- Hausarzt (den Hausarzt oder die Hausärztin immer wieder um Unterstützung bitten)
- Physiotherapie (zum Wiedererlernen koordinierter Bewegungsabläufe und Stärkung des Körpers)
- Psychotherapie (Umgang mit einer Krankheit, von der man sich nicht eingestehen will, dass man sie hat)
- Ergotherapie (zum Wiedererlangen der Konzentration und geteilten Aufmerksamkeit)
- Heilpraktiker (z.B. für die Findung fehlender Vitamine u.a. notwendiger Nahrungsergänzung)
- Coaching (mit jemandem, der unparteiisch ist, über Gedanken, Ziele und die Neustrukturierung des Alltags sprechen)
- Meditation, Tagebuch schreiben, Yoga (tägliches Reflektieren von Körper, Geist und Gefühlszustand, Womit fühle ich mich gut? Was kostet mich (zu viel) Energie?
- Wechselduschen (warm und eiskalt)
- Austausch mit anderen Betroffenen
- Multitasking vermeiden
- Keinen Druck auf mich selbst ausüben
- Nicht über den aktuellen Zustand ärgern, sondern ihn so hinnehmen. (Und schon geht es einem besser. Es ist verrückt. 😉
„Franzi, da steht ja ein ganzes Team hinter Dir!“,
sagte kürzlich ein Freund zu mir. Recht hat er. Um Long-Covid zu bewältigen, braucht es ein ganzes Team! Du bist selbst dafür verantwortlich, Dir dieses Team zusammenzustellen. Niemand wird kommen und an Deine Tür klopfen, weil Deine Freunde und Familie schlichtweg mit der Situation überfordert sind. Am besten findest Du zunächst eine/n gute/n Hausärztin und schaust mit welchen konkreten Maßnahmen Dir hier geholfen werden kann.
Glaube mir: DU BIST ES WERT!
Heute freue ich mich, dass ich meinen 42. Geburtstag feiern darf. Es gibt aber keine große Party, weil das wohl noch zu früh für mich wäre. Dennoch empfinde ich Zuversicht und Hoffnung, meinen Körper, meinen Grips und meine Psyche wieder zu 100% in Einklang zu bekommen, eine Ausgewogenheit, die ich kurz vor meiner Infektion wahrscheinlich nicht hatte, weil ich zu viel gearbeitet, meinen Körper zu selten habe ausruhen lassen und zu viel ungesunde Nahrung zu mir genommen habe.
Inzwischen bin ich sogar dankbar für die Jahre, die mich auf spiritueller Ebene über mich haben hinauswachsen lassen. Das war harte Arbeit. Diese Zeit werde ich wohl nie vergessen!
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